Kleiner Text

Gib hier deine Überschrift ein

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Ut elit tellus, luctus nec ullamcorper mattis, pulvinar dapibus leo.

LeMans, Peugeot und der Pfeffer

Man kann die 24 Stunden von Le Mans über Rundenzeiten erklären. Oder über das Essen. Wir haben uns für das Essen entschieden und sind dabei ausgerechnet bei einer Pfeffermühle gelandet.

In jeder guten Wiener Küche steht ein Franzose. Er ist aus Holz oder Stahl, etwa eine Handspanne hoch, und niemand schaut ihn je richtig an. Man greift nach ihm, dreht oben, und unten rieselt frisch gemahlener Pfeffer aufs Gulasch. Auf seinem Bauch, klein und unauffällig, sitzt ein Löwe. Derselbe Löwe, der am Samstag um Punkt 16 Uhr in Westfrankreich von der Startaufstellung losbrüllt, mit zwei Hypercars, 700 PS Systemleistung und der Absicht, 24 Stunden lang nicht stehen zu bleiben.

Ja, dieselbe Firma. Peugeot beginnt 1810 als Stahlmanufaktur im französischen Jura, mahlt ab 1840 Kaffee und bringt 1874 jene Pfeffermühle heraus, deren Mahlwerk bis heute der Maßstab ist. Auf das Mahlwerk gibt es Garantie auf Lebenszeit, was im Zeitalter der geplanten Obsoleszenz beinahe rührend wirkt. Autos baut man bei Peugeot übrigens erst seit 1891. Die Mühle war zuerst da. Wer also demnächst im Lieblingsbeisl zur Pfeffermühle greift, hält ein Stück Motorsportgeschichte in der Hand. Er weiß es nur nicht.

Armand Peugeot (1849–1915) war ein französischer Industrieller und Pionier der Automobilgeschichte. Er wandelte den metallverarbeitenden Familienbetrieb erfolgreich zum Fahrrad- und Automobilhersteller.

V.l.n.r.: 

Womit wir in Le Mans wären. Wer dieses Rennen zum ersten Mal besucht, erwartet Motorsport und bekommt zuerst einmal Geruch: Holzkohle, Merguez, Frites, dazwischen Crêpes und der süße Dunst der Zuckerwatte vom Riesenrad, das hier so selbstverständlich zum Inventar gehört wie das unsrige zum Prater. Erst dann kommt der Sound. Weit über 300.000 Menschen campieren in der Rennwoche rund um den Circuit de la Sarthe, und sie tun dabei im Wesentlichen zwei Dinge: zuschauen und essen. Le Mans ist das größte Picknick Frankreichs. Mit angeschlossenem Rennen.

93 DI RESTA Paul (gbr), VANDOORNE Stoffel (bel), CASSIDY Nick (nzl), Peugeot TotalEnergies, Peugeot 9X8 #93, Hypercar, action during the Free Practice and Qualifying session of the 24 Hours of Le Mans 2026, 3rd round of the 2026 FIA World Endurance Championship, from June 10 to 11, 2026 on the Circuit des 24 Heures du Mans in Le Mans, France – Photo André Ferreira / DPPI

Die Stadt liefert die Pointe gleich mit, denn Le Mans ist die Heimat der Rillettes. Schweinefleisch, stundenlang im eigenen Fett geschmort, dann faserig zerzupft und aufs Baguette gestrichen. Kein Schaum, kein Pinzettengarnitur, kein Teller mit Architekturanspruch. Die Rillettes du Mans sind das ehrlichste Essen Frankreichs, Handwerk aus drei Zutaten und sehr viel Zeit. Man isst sie mit fettigen Fingern am Streckenzaun, während dahinter die Hypercars mit über 300 km/h die Hunaudières hinunterdonnern. Nirgendwo sonst auf der Welt liegen Genuss und Hochleistung so eng beieinander. Nirgendwo sonst applaudiert man einem Überholmanöver mit dem Baguette in der Hand.

Hundert Meter weiter, hinter dem Zaun, dreht sich dieselbe Geschichte um 180 Grad. In der Boxengasse ist Essen kein Genuss, sondern ein Werkzeug. Im Cockpit eines Hypercars herrschen über Stunden mehr als 40 Grad, ein Fahrer verliert pro Doppelstint mehrere Liter Flüssigkeit. Also wird gegessen wie trainiert: vor dem Rennen leicht verdauliche Kohlenhydrate, währenddessen kleine, schnell verfügbare Portionen, Elektrolyte nach Plan, Trinken nach Uhr. Zwischen den Stints kein Festmahl, sondern Eiweiß und, wenn der Rennverlauf gnädig ist, ein bisschen Schlaf. Das Schnitzel mit Erdäpfelsalat müsste hier draußen bleiben, der Kreislauf braucht das Blut an den Sinnen und nicht im Magen.

Und das Team isst mit. Ein Le-Mans-Einsatz beschäftigt Dutzende Mechaniker, Ingenieure und Strategen, die eine Nacht lang durchversorgt werden wollen, das Catering arbeitet dabei wie eine Großküche im Dauerservice. Wer einmal zugesehen hat, wie eine Boxencrew einen Reifenwechsel choreografiert, erkennt das Muster aus jeder guten Profiküche sofort wieder: Jeder Handgriff sitzt, jeder weiß, wann er dran ist, improvisiert wird nur, wenn es brennt. Küche und Boxengasse gehorchen demselben Gesetz. Es zählt nicht, wie aufwendig etwas ist. Es zählt, wie präzise.

T: Gregor Josel

Newsletter bekommen

Erhalte Updates und lerne von den Besten